Schlagwort-Archive: Thriller

Unter dem Sand

Verschleppte Kindersoldaten graben im Akkord nach Sprengfallen: packende dänische Lektion in Deutschenhass und (In)Humanität

Unter dem Sand Cover

Under sandet, aka Land of Mine, Martin Zandvliet, DK/D 2015
Kinostart: 07.04.2016, DVD/BD-Start: 22.09.2016
Story: Mai 1945. Vierzehn zum Volkssturm eingezogenen Hitlerjungen müssen als Kriegsgefangene wie viele andere Deutsche die Strände Dänemarks von im Sand vergrabenen Landminen befreien – mit bloßer Hand, ohne Schutz und Verpflegung. Fast alle sterben unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Von Jochen Plinganz

Deutsche Opfer im Zweiten Weltkrieg? Eine Randnotiz, die in der hiesigen (cineastischen) Geschichtsschreibung kaum Platz hat, wo man sich darin überbietet, die eigene Schuld auszuwalzen. Dass die Rache der Sieger keineswegs ohne ausgiebige Verbrechen gegen die Menschlichkeit blieb, macht dieses suspensegeladene Drama, das den Horror unter freiem Idyll-Himmel kurz nach der bedingungslosen Kapitulation schildert, eindringlich klar.

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James Bond 007 – Spectre

Bond Nr. 24: Fast schon ein Charakterdrama mit gelegentlichen Action-Ausbrüchen – souverän, aber kaum sonderlich mitreißend

James Bond 007 – Spectre Cover

Spectre, Sam Mendes, GB/USA 2015
Kinostart: 05.11.2015, DVD/BD-Start: 03.03.2016
Story: Als James Bond in Mexiko City einen Sprengstoffanschlag vereitelt, nimmt dies sein neuer Chef Denbigh zum Anlass, das Doppelnull-Programm zugunsten globaler Überwachungstechnik abzuschaffen. Mit der schönen Madeleine kommt Bond den Machenschaften einer Terrororganisation auf die Spur.
Von Max Renn

Der vierte Bond mit Daniel Craig könnte sein Letzter sein, wenn man seinen Interviewaussagen und der intimen Struktur von „Spectre“ folgt, der gegenüber dem Reboot „Casino Royale“ die Action fast eliminiert und das Charakterdrama wie zuletzt in „Skyfall“ ausweitet. Die Vollendung vieler Handlungsstränge schließt die Craig-Tetralogie ab, auch wenn „American Beauty“-Regisseur Sam Mendes keine emotionalen Beben auslöst.

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Sicario

Der War on Drugs in seiner erbarmungslosen Unmoral – eingebrannt in eine brillante Actionthriller-Tour-de-Force mit Star-Trio

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Denis Villeneuve, USA 2015
Kinostart: 01.10.2015, DVD/BD-Start: 04.02.2016
Story: Nachdem FBI-Agentin Kate mit ihrem Team in Arizona ein ganzes Haus voll Toter entdeckt hat, meldet sie sich zu einer Task Force, die mexikanische Drogenkartelle bekämpft. Aber der undurchsichtige Matt und sein Vollstrecker Alejandro überschreiten alle Grenzen und folgen zudem eigenen Plänen.
Von Max Renn

Nach der Fieberfantasie „Enemy“ kehrt der kanadische Kunstfilmer Denis Villeneuve wieder zur packenden Moralthrillerlandschaft seines Hollywood-Debüts „Prisoners“ zurück. Inhaltlich überträgt „Sicario“ einen Narco-Krimi à la Don Winslow mit dem gnadenlosen Format eines „Gomorrha“ zu dem Hochspannungsstil und der moralischen Ambivalenz von „Zero Dark Thirty“, an den nicht nur ein Nacht-Einsatz erinnert.

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Mission: Impossible – Rogue Nation

Superagent Tom Cruise ist eine Unterhaltungsbank im flotten fünften Einsatz, der immer mehr die Bodenhaftung verliert

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Christopher McQuarrie, USA 2015
Kinostart: 06.08.2015, DVD/BD-Start: 17.12.2015
Story: Gerade hat IMF-Agent Ethan Hunt ein geheimes Syndikat als Urheber weltweiten Terrors identifiziert, da schließt CIA-Boss Hunley die IMF und erklärt Hunt für vogelfrei. Von der Killerin Isla mehrfach gerettet, versuchen Hunt und sein Team die Organisation aufzuspüren, die sie als Marionetten manipuliert.
Von Gnaghi

Nach „Jack Reacher“ – quasi auch einem Agentenactioner – koalieren Christopher McQuarrie, der Script-Wizard von „Die üblichen Verdächtigen“ sowie „Edge of Tomorrow“, und Tom Cruise abermals. Angesicht der gut geölten Entertainmentmaschinerie, die in „Mission: Impossible – Rogue Nation“ höchste Drehzahlen erreicht, als eingespieltes Team, dem „Star Trek“-Produzent J.J. Abrams knackige Actionschubkraft aufdrückt.

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Reversal

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aka Bound to Vengeance, José Manuel Cravioto, USA 2015
ohne deutschen Start

Rape & Revenge war gestern. José Manuel Cravioto, der Dokus und zuletzt den mexikanischen Crime-Actioner „El Más Buscado“ drehte, wählt eine wahrhaftige weibliche Perspektive für seinen Thriller „Reversal“, der nicht einfach nur den Spieß umdreht und wie in „I Spit on Your Grave 2“ Sadisten exquisit totfoltert, sondern in der Fahrt bis ans Ende einer schummrig Schwarz-Braun-Rot glimmenden Nacht einen Schritt weiter geht und seine 21-jährige Protagonistin Eve (die kaum bekannte Tina Ivlev) mit verzweifelter Entschlossenheit das teuflische Werk eines Psychopathen beenden lässt.

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San Andreas

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Brad Peyton, USA 2015
Kinostart: 28.05.2015, DVD/BD-Start: 15.10.2015

Ein einzelnes „Erdbeben“ wie 1974 reicht heute nicht mehr – ein ganzer Schwarm Erdstöße sprengt erst den Hoover Damm, dann Los Angeles und San Francisco. „San Andreas“, benannt nach der tektonischen Verwerfung, die Kalifornien durchzieht, ist eine so sündteure wie sinnloses Effektorgie. Aber auch ein Katastrophen-Porno, der sogar Spaß macht. Und das, obwohl er haarscharf und überraschungsfrei, jedoch weniger trashig das Reißbrett-Konzept von Roland Emmerichs „2012“ und „The Day After Tomorrow“ übernimmt.

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The Lazarus Effect

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David Gelb, USA 2015
DVD/BD-Start: 10.09.2015

Was Doku-Regisseur David Gelb für die Low-Budget-Horrorschmiede Blumhouse („Paranormal Activity“, „Insidious“, „Sinister“, „Oculus“) mit knapp dreieinhalb Millionen aufgesetzt hat, kombiniert beinahe storyfrei Wiederbelebungs-Motive aus „Frankenstein“ zu einem One-Location-Chiller der Sorte „gleich wieder vergessen“. Mit „The Lazarus Effect“ erweist Gelb weder der eigenen Karriere noch der von Mark Duplass („Journey of Love“) und Olivia Wilde („Tron: Legacy“, „Rush“) einen Gefallen.

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Parallels

Exzellente, fantasieanregende Science-Fiction-Mystery um vier Twens, die durch die „Lost“-Dimensionen springen

Parallels Cover

Christopher Leone, USA 2015
ohne deutschen Start
Story: Boxer Ronan folgt der Mailboxnachricht seines Vaters, dem er vor Jahren den Rücken kehrte. Mit seiner Schwester Beatrix und Nachbar Harry betritt er ein leerstehendes Hochhaus in der City – und landet in einer Parallelwelt, wo er Polly trifft, die mit dem Gebäude alle 36 Stunden in eine andere Welt springt.
Von Jochen Plinganz

Ein mysteriöses Gebäude ist das Tor zu unendlich vielen Parallelwelten, ähnlichen und fremden, und vier Mittzwanziger die Passagiere eines Trips ohne (rasche) Wiederkehr. Ursprünglich sollte „Parallels“ die Pilotfolge einer Netflix-Serie von Fox Digital werden, die ihn aber zum eigenständigen 83-Minüter umtauften. Das Spielfilmdebüt von Christopher Leone ist damit eine der interessantesten SciFi-Serien, die es nie geben wird.

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Hyena

Hyena Cover

Gerard Johnson, GB 2014
ohne deutschen Start

Nach dem programmatischen „Tony – London Serial Killer“ bleibt der britische Auteur Gerard Johnson in den Eingeweiden der Stadt für einen Polizei-Noir mit vielen Qualitäten, mehr Drama als Thriller, eine atmosphärisch dichte (Psycho)Studie aus der Halbwelt, unterschwellig intensiv und ungemütlich gewalttätig, aber nie exzessiv (und selten on screen). Der im Retro-Design der Londoner Neon-Nacht auftretende „Hyena“ ist bei Scorseses „Mean Streets“ und Friedkins „French Connection“ in die Lehre gegangen, würzt beides mit einer Prise von Refns „Drive“.

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The Harvest

John McNaughton findet in einem solide abgründigen Thrillerdrama wieder zu seinen menschlichen Monstern zurück

The Harvest Cover

John McNaughton, USA 2013
ohne deutschen Start
Story: Die zur Waisen gewordene 14-jährige Maryann muss zu ihren Großeltern ziehen. In deren Nachbarschaft lebt der gelähmte Andy, der von seinen Eltern, der abweisenden Ärztin Katherine und ihrem Mann, gepflegt, medikamentiert und isoliert wird. Als einzige entdeckt Maryann sein grausiges Geheimnis.
Von Gnaghi

Für seine erste Kinoarbeit seit über zehn Jahren schwenkt US-Horrorauteur McNaughton nach einigen Auflockerungen zum Frühwerk zurück, wo er mit „Henry – Portrait of a Serial Killer“ das True-Crime-Subgenre quasi erfand. Dessen Blutzoll ist passé, aber die psychische Härte und die menschliche Grausamkeit, zu der Monster auf zwei Beinen fähig sind, ist dem langsam getakteten Psychothrillerdrama erhalten geblieben.

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The Reconstruction of William Zero

Indie-SciFi, die für wenig Geld ein Thrillerdrama um multiple geklonte Identitäten und existenzielle Schuldlast entwickelt

The Reconstruction of William Zero Cover

Dan Bush, USA 2014
ohne deutschen Start
Story: Nachdem er vor vier Jahren seinen eigenen kleinen Sohn auf dem Weg zur Arbeit totfuhr, klont sich William, Genetiker beim Forschungskonzern Next Corporation, in einem anonymen Vorstadthäuschen illegal selbst. Sein verstörtes Ebenbild bricht aus, um Williams Exfrau Jules aufzusuchen.
Von Jochen Plinganz

2007 war Dan Bush an dem originellen Triptychon „The Signal“ beteiligt, dann kam nichts Nennenswertes mehr von ihm. Das gilt auch für den unauffälligen „The Reconstruction of William Zero“, der unter der Haube allerdings eine ziemlich intelligente Story aufweist, die schizophren mit mehreren Klon-Persönlichkeiten spielt, aber zu Low Budget (und ohne jeden Effekt) ist, um die Replikanten-Mär wirklich packend zu gestalten.

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Run All Night

Im handfesten New Yorker Nacht-Thriller kämpft ein von Killern gehetzter Liam Neeson glaubhaft um das Leben seiner Angehörigen

Run All Night Cover

Jaume Collet-Serra, USA 2015
Kinostart: 16.04.2015, DVD/BD-Start: 03.09.2015
Story: Auftragskillerwrack Conlon wird von Mafiapate Maguire aus alter Freundschaft geduldet. Damit ist es vorbei, als Conlon Maguires psychotischen Filius tötet, bevor dieser seinen Sohn Mike erschießen kann. Maguire schwört Rache: Auftragskiller jagen die beiden zur Großfahndung Ausgeschriebenen.
Von David McAllan

Atemlos durch die Nacht: Mit der Actionroutine von „Unknown Identity“, aber von „Auge um Auge“-Autor Brad Ingelsby weniger ambitioniert als „Non-Stop“ geschrieben, geht die dritte Kooperation von Liam Neeson und Jaume Collet-Serra auf eine Hetzjagd durch New York. Der Nacht-Thriller „Run All Night“ beherrscht sein moderat modernisiertes Old-School-Handwerk und erzielt mehr Tiefe als eigentlich vorhanden.

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From the Dark

From the Dark Cover

Conor McMahon, IRL 2014
ohne deutschen Start

„From the Dark“ mutet wie ein Low-Budget-Erstling an, eine solide Fingerübung mit einem Szenario, das auf einen Bierdeckel passt. Zur Marginalie wird er durch die Tatsache, dass der Ire Conor McMahon u.a. bereits den derangierten Untoten-Slapstick „Dead Meat“ sowie die Zombie-Clown-Komödie „Stitches“ auf dem Konto hat. Der humorfreien Nacht-Attacken-Thriller implodiert als Szenario, dessen Erschaffer beim nächsten Mal dringend ein Drehbuch heranziehen sollte.

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Fast & Furious 7

Im siebten Spektakel der Retorten-Franchise setzt es sinnfreie Destruktion Deluxe und Familienkitsch zum Abschied von Paul Walker

Fast & Furious 7 Cover

Furious 7, James Wan, J/USA 2015
Kinostart: 01.04.2015, DVD/BD-Start: 13.08.2015
Story: Alte Sünden holen die PS-Crew ein, als Ian, der böse Bruder des Gegenspielers Owen, auf Rache sinnt und Anschläge auf das Team verübt. Agent Mr. Nobody finanziert Dom, Brian und Letty, Ian eine ultimative Ortungssoftware samt Hackerin Ramsey wegzuschnappen, um dem Wüterich selbst zu jagen.
Von Caroline Lin

Im Kern bleibt die 2001 gestartete Racer-Reihe trashiges B-Kino, deren tiefergelegte Werbeclip-Coolness und flache Witzeleien unter der (austauschbaren) Spielleitung von Horror-Fachkraft James Wan („Saw“, „Insidious“) erheblich inkompatibel zu Familienkitsch und gravitätischem Ernst bleiben. Eine gewisse Hirnrissigkeit in Geschehen und Gerede ist ja Pflicht, läuft aber nicht mehr so souverän kurzweilig wie in Teil 5 und 6.

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Alleluia – Ein mörderisches Paar

Amour transgressive: ein Mörderpärchen in einem fiebrigen Borderliner-Psychodrama mit True-Crime-Ambiente

 Alleluia Cover

Alléluia, Fabrice Du Welz, B/F 2014
DVD/BD-Start: 07.10.2015
Story: Als die von ihrem Mann verlassene Pathologin Gloria sich durch eine Partner-Annonce heillos in den Hochstapler Michel verliebt, lässt sie ihre Tochter bei einer Nachbarin und zieht mit dem manischen Verführer los, um dessen Heirats-Opfer, die er um ihr Vermögen erleichtern will, eifersüchtig zu zerstückeln.
Von Jochen Plinganz

„Alléluia“, der mit dem regengrauen Cop-Thriller „Colt 45“ zweite Output im Jahre 2014 des belgischen Extremfilmers Fabrice Du Welz („Vinyan“), ist eine krude Ode an zwei Sexualgewalttäter und verlagert die bereits mehrfach adaptierte Geschichte der Lonely Hearts Killers Martha Beck und Raymond Fernandez ins französischsprachige Europa – eine fanatische Psychopathen-Triebbeziehung in flirrend-grobkörniger 16mm-Rohheit.

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Judgment

Durchwachsenes, arthaussprödes Vater-Sohn-Drama, das sich mit Thriller, Peripherieporträt und Vergangenheitsbewältigung zu viel vornimmt

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aka Judgment – Grenze der Hoffnung, Sadilishteto, Stephan Komandarev, BG/D/HR 2014
Kinostart: 23.04.2015, DVD/BD-Start: 20.11.2015
Story: Mityos Milchbetrieb ist pleite und sein Haus hat eine Hypothek, die der frische Witwer nur bedienen kann, wenn er für einen reichen Ex-Hauptmann Flüchtlinge über die Berggrenze in die EU schmuggelt. Mityos Sohn Vasko macht ihm derweil schwere Vorwürfe und entdeckt ein belastendes Geheimnis.
Von Thorsten Krüger

Der Ausgangspunkt des bulgarisch-deutsch-kroatisch-mazedonischen EU-Puddings „Judgment“ ist ein Wirtschafts- und Bankrottdrama im Zeichen der Euroflagge, ein Finanzkrisenfilm, der jedoch kein Gleichnis wie „Leviathan“ oder eine Bildverführung wie „Lost River“ hervorbringt, auch wenn er es wohl gerne täte, sowie im Kontrast zu Goslings surrealem Poem am anderen Ende der Skala, am nüchternen Realismus, siedelt.

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Lost River

Kino als Hypnosemaschine: Ryan Goslings auratisches Autorenkunstdebüt durchbricht mit mystischer Bildintensität einen Kleinstadtfluch

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Ryan Gosling, USA 2014
Kinostart: 28.05.2015, DVD/BD-Start: 08.10.2015
Story: Bones, der ältere Sohn der alleinerziehenden Billy, erfährt durch Außenseiterin Rat von einem Fluch, der über ihrer verfallenen Stadt liegt. Während die verschuldete Billy einen Job im bizarren Nachtclub des perversen Bankers Dave annimmt, flieht Bones vor dem brutalen Bully, um den Alptraum zu beenden.
Von Thorsten Krüger

Der gefragte Schauspieler Ryan Gosling („Blue Valentine“) macht es einem nicht einfach. Sein expressionistisches Regiedebüt „Lost River“ ist eine tiefe Verbeugung vor Nicolas Winding Refn, für den er für „Drive“ und „Only God Forgives“ vor der Kamera stand, mehr aber noch vor David Lynch, dessen Motivik aus „Twin Peaks“ und „Blue Velvet“ durchscheint. Im rätselhaften Bilderreigen erweist sich die Story als Achillesferse.

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The Gunman

Euro-Actionthriller, der sein Politthema nur als Exploitationsbasis für einen Army-(Nah)Kampf mit Sean Penn nutzt

The Gunman Cover

Pierre Morel, E/GB/F 2015
Kinostart: 30.04.2015, DVD/BD-Start: 03.09.2015
Story: Vor acht Jahren assassinierte Söldner Jim in einer Black Op den Bergbauminister des Bürgerkriegslandes DR Kongo, weshalb er seine Geliebte Annie verlassen musste, die in Partner Felix’ Armen landete. Nun eliminiert Jims Ex-Auftraggeber alle Mitwisser von einst: Killer jagen ihn und Annie durch Barcelona.
Von Jochen Plinganz

Pierre Morel, Vollstrecker der grimmig-hyperbrutalen „96 Hours/Taken“-Reihe, kann Action und sonst wenig. Da trifft es sich schlecht, dass die Noir-Vorlage des französischen Krimiautoren Jean-Patrick Manchette („Wespennest“) viel Wert auf komplexe Charaktere, Stimmungslagen und politischen Kontext legt. Die sind in „The Gunman“ ungelenkes Exploitationsmaterial zwischen Actionthriller-Anfällen mit wummernden Waffen.

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Camp Evil

Camp Evil Cover

Welp, aka Cub, Jonas Govaerts, B 2014
DVD/BD-Start: 24.04.2015

Folk-Horror-Masken sind derzeit der letzte Genre-Schrei (siehe „Blackwood“). Auch im ehrgeizigen Feriencamp-Slasher des Belgiers Jonas Govaerts versprechen sie im Verbund mit Kameraarbeit und 80er-Synthie-Leitthema wesentlich mehr, als der Thriller nach Schlitzermuster mit Horror-Touch halten kann. „Camp Evil“ (danke für diesen dummen „deutschen“ Titel!) hat kaum Gespür für Charaktere, kann sich in seine Kids nicht einfühlen wie Guillermo del Toro mit „The Devil’s Backbone“ oder „Pans Labyrinth“, und auch moralische Verwerfungen sowie die Faszination am Bösen nicht ausloten – wie Govaerts Landsmann Fabrice du Welz („Calvaire“), dem er offensichtlich nachstrebt.

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Chappie

Neill Blomkamps dritte Dystopie – verkappter Familienkitsch mit Gangsta-Clowns und puppenspielendem RoboCop-Baby?

Chappie Cover

Neill Blomkamp, MEX/USA 2015
Kinostart: 05.03.2015, DVD/BD-Start: 09.07.2015
Story: Johannesburg 2016. Die Firma TetraVaal Robotic hat die Polizei mit der weltersten Robotereinheit versorgt. Als Programmierer Deon eine neue KI entwickelt, stehlen Gangster das Chassis mit dem Verstand eines Babys und erziehen ihn zum Verbrecher. Auf diese Gelegenheit hat Deons Rivale Moore gewartet.
Von Max Renn

Tendenz: stetig bergab. Nach seinem gefeierten Einstand „District 9“ konnte der Südafrikaner Neill Blomkamp mit „Elysium“ nur noch halb überzeugen, bleibt in „Chappie“ seinem Metier der Science-Fiction-Dystopie treu, kehrt nach Johannisburg zurück und versagt über weite Strecken, das Leben eines Homie-Bots zu gestalten – zu bunt-skurril ist seine SF-Thriller(-Komödie), und bisweilen unpassend trashig cartoonesk.

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Blackwood

Blackwood Cover

Adam Wimpenny, GB 2014
ohne deutschen Start

Die Brit-Goth-Welle rollt weiter (siehe „The Quiet Ones“ und „The Borderlands“) und auch der Londoner TV-Serien-Regisseur Adam Wimpenny nutzt das vertraute rurale Haunted-House-Terrain, spielt aber nur mit dessen Instrumentarium – überaus effektiv -, um den Fortgang einer dramatischen Psychose nachzuzeichnen. Nicht ganz so klassisch wie „Die Frau in Schwarz 2“ oder „The Awakening“ geht „Blackwood“ den Neueinzug ins große Spukhaus auf dem Land an, wo sich Hochschuldozent Ben (Ed Stoppard) von seinem Nervenzusammenbruch erholen will, aber auf ein Geheimnis stößt, das schon andere vor ihm in den Wahnsinn getrieben hat.

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Die Lügen der Sieger

Florian David Fitz verfängt sich in Täuschung und Lügen – ein abgehobener Stil bremst den Paranoia-Thriller jedoch aus

Die Lügen der Sieger Cover

Christoph Hochhäusler, D/F 2014
Kinostart: 18.06.2015, DVD/BD-Start: 03.12.2015
Story: Fabian, aufstrebender Redakteur im Berlinbüro des Nachrichtenblatts „Die Woche“, enthüllt durch seine Volontären Nadja einen Giftmüll-Skandal, in den die Bundeswehr verwickelt ist. Keiner ahnt, dass sie von der Industrielobby manipuliert werden und sie nur Marionetten dubioser Politinteressen sind.
Von Gnaghi

Berliner-Schule-Auteur Christoph Hochhäusler („Unter dir die Stadt“) erstellt ein sprödes Paranoia-Porträt von manipulierten Medien. Durch abstrakten Stilwillen kann sich „Die Lügen der Sieger“ nicht recht zu einem Polit- bzw. Ökothriller durchringen, sondern führt eine Spur zu schmal und vage vor, welche lebensgefährlichen Folgen für einen Reporter auftreten, der zu tief in ein Netz aus Täuschung und Lügen gerät.

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The Boy Next Door

The Boy Next Door Cover

Rob Cohen, USA 2015
Kinostart: 19.03.2015, DVD/BD-Start: 30.07.2015

J-Lo braucht schon einen Auteur wie Steven Soderbergh, um zu brillieren („Out of Sight“), sonst tendieren ihre Auftritte zu „Anaconda“-Niveau. Der Latina-Star ist schauspielerisch wieder ein sicherer Goldene-Himbeere-Kandidat – was im Verbund mit dem gleichermaßen schlecht agierenden No-Name-Cast und der Regie des mit nur vier Millionen Dollar minibudgetierten Frau-in-Gefahr-Thrillers „The Boy Next Door“ wunderbar naive Camp- und Trash-Qualitäten hervorbringt.

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Warte bis es dunkel wird

Addison Timlim in einem somnambulen Coming of Age, knallharten True-Crime-Thriller und stilvoller Slasher-Hommage im Retro-Look

Warte bis es dunkel wird Cover

The Town That Dreaded Sundown, Alfonso Gomez-Rejon, USA 2014
Kinostart: 09.04.2015, DVD/BD-Start: 03.09.2015
Story: Das provinzielle Doppelstädtchen Texarkana ist von einer ungeklärten Mordserie geprägt, nach deren Abschluss 1976 der Film „The Town That Dreaded Sundown“ entstand. Bei einer Autokinoaufführung 2013 schlägt der Maskierte erneut zu und tötet Jamis Freund – der Auftakt zu einer neuen Mordserie.
Von Thorsten Krüger

Alfonso Gomez-Rejon, Ausrichter diverser Folgen von „American Horror Story“, wagt mit „Warte, bis es dunkel wird“ keine Neuauflage des im Original identisch betitelten, tumb-trivialen Grindhouse-Slashers von 1976 (dt.: „Der Umleger“), sondern eine Fortsetzung, die mühelos Slasher-Hommage, Serienkiller-Thriller mit starkem Horrorgehalt und ein Coming of Age samt Provinzporträt unter einen passenden Hut bringt.

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Kill the Messenger

Die (wahre) Geschichte, wie die CIA Jeremy Renner als Enthüllungsjournalisten ruiniert, beschränkt unnötig Komplexität und Spannung

Kill the Messenger Cover

Michael Cuesta, USA 2014
Kinostart: 10.09.2015, DVD/BD-Start: 21.01.2016
Story: Gary Webb, Pulitzer-Preisträger und Redakteur der kalifornischen San Jose Mercury News, entdeckt zufällig den Kokainschmuggel der CIA, die mit Crackverkauf in L.A. die Contra-Rebellen in Nicaragua finanzierte. Als er den Artikel „Dark Alliance“ 1996 veröffentlicht, beginnt eine Schmutzkampagne gegen ihn.
Von Thorsten Krüger

Kokainschmuggel im großen Stil für die US-Regierung, um eine rechte Guerilla-Miliz auszurüsten und damit die demokratischen Sandinisten in Nicaragua zu stürzen: Die Iran-Contra-Affäre war der größte Skandal der Reagan-Ära und doch nur ein weiteres Kapitel der berüchtigsten Terrororganisation der Welt, gemeinhin bekannt als die CIA. Stoff satt für einen Politthriller, wie er an Brisanz kaum zu überbieten wäre.

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