Schlagwort-Archive: Western

The Hateful 8

QTs Winterwestern bietet Suspense und Spielfreude auf engstem Raum, schädigt sich aber mit Selbstgefälligkeit und Splatter-Unfug

The Hateful 8 Cover

The Hateful Eight, Quentin Tarantino, USA 2015
Kinostart: 28.01.2016, DVD/BD-Start: 30.05.2016
Story: Kopfgeldjäger Warren will im winterlichen Wyoming Verbrecherin Daisy schnappen, die sich in der Obhut eines beinharten Konkurrenten befindet. Sie alle müssen vor einem herannahenden Blizzard Zuflucht in einer einsamen Blockhütte suchen. Dort warten bereits fünf weitere Gestalten. Keiner traut dem anderen – zu Recht.
Von Jochen Plinganz

Passend zur achten Regiearbeit betitelt, verbindet „The Hateful 8“ Tarantinos ersten Western „Django Unchained“ (plus Samuel L. Jackson) mit seinem Regie-Erstling „Reservoir Dogs“ (für manche immer noch sein bester Film): Er sperrt Bluthunde in eine Hütte und sieht zu, wie sie sich gegenseitig zerfleischen. Aus dem Debüt sind auch Tim Roth (in der Christoph-Waltz-Rolle) und ein herrlich verschlagener Michael Madsen dabei.

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The Retrieval

Wanderung durch den Bürgerkrieg: Lyrische Gewissensreflexion in einem historischen Indie-Western-Drama, das Aufmerksamkeit verdient

The Retrieval Cover

Chris Eska, USA 2013
ohne deutschen Start
Story: Während des Bürgerkriegs in Virginia 1864: Der 13-jährige Waisenjunge Will liefert mit seinem Onkel Marcus geflohene Sklaven an den Kopfgeldjäger Burrell aus. Für die schwarzen Söldner ohne Moral zählt nur Geld, doch das ändert sich, als sie Nate ausfindig machen und Will an seiner Tätigkeit zweifelt.
Von Thorsten Krüger

Das Komplement pompöser Historienschinken findet sich in einem Low-Budget-Verbund aus Western, Road Movie und Coming of Age, dessen naturbelassene Art „Meek’s Cutoff“ näher steht als dem Hochglanzpathos eines „Glory“. Chris Eska, der in „August Evening“ auf den Spuren von Terrence Malicks Südstaatenfilmen wandelte, erschafft das Äquivalent einer William-Faulkner-Novelle mit emotionalem Widerhall.

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The Homesman

Berührend humanistisch-historische (Geister)Reise, die dem Western eine erschütternde, weibliche Perspektive verleiht.

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Tommy Lee Jones, F/USA 2014
Kinostart: 18.12.2014, DVD/BD-Start: 15.04.2015
Story: Ein kleiner Siedleraußenposten in Nebraska 1853. Die alleinstehende Farmerin Mary er klärt sich als einzige bereit, drei durch Entbehrungen, hartes Klima, Krankheit und Gewalterfahrungen verrückt gewordene Frauen zurück in die Zivilisation nach Iowa zu karren. Nur der alte Outlaw George steht ihr bei.
Von Caroline Lin

Trug die erste Kinoregie von Darsteller Tommy Lee Jones („No Country for Old Men“), die sozialkritische Grenzgeschichte „Three Burials“, noch Züge eines Neo-Westerns, wählt sein zweites Werk den Stil des neoklassischen Westerns, nur fernab von Männer-Dominanz, Revolverhelden und Konventionen. Viel erinnert an „True Grit“ (auch Hailee Steinfeld in einer Kleinrolle), nur ist Jones humanistischer und weniger stilverliebt.

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The Salvation

Apokalyptischer Rachewestern mit Mads Mikkelsen und Eva Green in einer kapitalismuskritischen Moralparabel.

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Kristian Levring, DK/GB/ZA 2014
Kinostart: 09.10.2014, DVD/BD-Start: 11.02.2015
Story: Als der dänische Kriegsveteran und Aussiedler Jon 1871 Frau und Sohn in die Pionierstadt Black Creek nachholt, schänden und ermorden sie zwei Verbrecher, bevor Jon diese töten kann. Aber der Bruder des Täters ist der brutale Bandenboss Delarue, der von den Einwohnern Jons Auslieferung erzwingt.
Von Thorsten Krüger

Dogma-95-Mitbegründer Kristian Levring („Wen du fürchtest“) hält sich an die Kodices des Rachewesterns und bricht seine Story auf archetypische Komponenten herunter – überraschungsfrei, aber ausdrucksstark, besonders visuell: Die südafrikanischen Landschaften sind der Ästhetik eines John Ford wie Sergio Leone gleichermaßen verpflichtet, in einer kapitalismuskritischen Moralparabel wie in besten Italowesternzeiten.

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A Million Ways to Die in the West

Die Enttäuschung des Jahres: In Seth MacFarlanes selbstverliebter Westernparodie regiert allein der Fäkalhumor.

A Million Ways to Die in the West Cover

Seth MacFarlane, USA 2014
Kinostart: 29.05.2014, DVD/BD-Start: 09.10.2014
Story: Arizona anno 1882. Der ängstliche Schafzüchter Albert flieht vor einem Duell, woraufhin ihn Freundin Louise verlässt. Als der Waschlappen dem hilfsbereiten Cowgirl Anna begegnet, verlieben sich beide. Der Hasenfuß benötigt nun dringend Mut – denn Annas Mann Clinch ist ein gefürchteter Revolverheld.
Von Thorsten Krüger

„Family Guy“-Mastermind Seth MacFarlane ist spätestens seit seinem derben „Ted“ in den USA schwer angesagt und nutzt die Narrenfreiheit für eine vor Obszönitäten strotzende Westernparodie mit einer grobgestrickten Romcom. Nicht nur gemessen an den Trailern ist der Loser-Spaß enttäuschend schlecht. MacFarlane, ganz unbescheiden Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Hauptdarsteller, nimmt sich viel zu wichtig.

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Gold

Grandios naturalistischer Abenteuer-Abgesang, der im Gewand eines Spätwesterns zur Reise ohne Wiederkehr wird.

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Thomas Arslan, D/CA 2013
auf DVD erhältlich
Story: Im Sommer 1898 bricht ein Fähnlein verzweifelter deutscher Auswanderer vom kanadischen Nordwesten auf, um sich von Schwindler Laser 1000 Meilen durch die Wildnis in nördliche Goldfelder lotsen zu lassen. Das unerfahrene Septett verliert bald Ausrüstung und Mitglieder. Ihr Traum scheint unerreichbar.
Von Thorsten Krüger

Mit dem Präzisions-Film-Noir „Im Schatten“ über den Asphaltdschungel Berlins bewies Thomas Arslan große Stilstärke, die er auch in diesem bereits letztes Jahr auf der Berlinale vorgestellten und nun längst auf DVD erhältlichen historischen Abenteuer beibehält. Weniger ein Spätwestern, sprich: Genrewerk nach US-Vorbild, denn ein exzellent naturalistischer (und bei Naturlicht gedrehter) Arthaus-Trip ins „Herz der Finsternis“.

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Lone Ranger

Wild, Wild West: Gore Verbinski schwankt zwischen Western-Spektakel und Kritik am US-Genozid an den Indianern.

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The Lone Ranger, Gore Verbinski, USA 2013
Kinostart: 08.08.2013 DVD/BD-Start: 05.12.2013
Story: Der kurzfristig zum Ranger ernannter Staatsanwalt John Reid liegt nach einem Hinterhalt schwer verletzt im Sterben und will, wiedererweckt durch den einsam-verrückten Komantschenkrieger Tonto, seinen Bruder rächen. Auf dem Gewissen hat ihn Psychopath Cavendish, der für einen Eisenbahn-Tycoon mordet.
Von Thorsten Krüger

Entgegen mancher Unkenrufe ist die sündteure Disney-Extravaganz des „Pirates of the Caribbean“-Teams Bruckheimer/Verbinski/Depp kein hirntoter 250-Millionen-Flop wie „John Carter“, sondern Deluxe-Entertainment, das seinen Anspruch hinter Buddykomik und Effektschlacht verbirgt. Die mythische Rächer-Fabel nach einer bei uns nahezu unbekannten Serien-Figur siedelt nicht immer stimmig zwischen Komödie und Tragödie.

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