Schlagwort-Archive: Woody Allen

Irrational Man

Zwischen Eros-Komödie und Schuld-und-Sühne-Drama: Woody Allens perfekter Mord ist eine nur halb geglückte Philosophie-Lektion

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Woody Allen, USA 2015
Kinostart: 12.11.2015, DVD/BD-Start: 17.03.2016
Story: Alkoholiker und Philosophieprofessor Abe beginnt am Newport-College zu lehren, wo ihm Studentin Jill verfällt. Als er einen moralisch gerechtfertigten, perfekten Mord plant, erwachen seine Lebensgeister, Impotenz und Alkoholismus enden. Aber die Tat bringt unerwartet ein neues Dilemma mit sich.
Von Thorsten Krüger

Für seine Arbeit Nummer 46 hat Stadtneurotiker Woody Allen ausgerechnet das perfekte Verbrechen erkoren, eingebettet ins Milieu einer Eros-Komödie am College, ausgeführt aber wie ein traktatschweres Dostojewski-Drama. Die Spannung seines „Match Point“ vermag „Irrational Man“ nicht zu entfesseln, obwohl er nach Art eines Film Noir respektive der Krimi-Mentalität – aber nicht Stil – eines Alfred Hitchcock vorgeht.

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Magic in the Moonlight

Woody Allens nostalgische Riviera-Romcom zwischen Colin Firth und Emma Stone ist liebevoll bissig, aber relativ schlicht.

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Woody Allen, USA 2014
Kinostart: 04.12.2014
Story: 1928. Von einem Auftritt in Berlin reist der britische Illusionist und Zyniker Stanley Crawford an die Côte d’Azur, um das bei reichen Bekannten wohnende junge Medium Sophie Baker des Betrugs zu überführen. Sophies Charme unterminiert Crawfords unbestechliche Skepsis. Seine Gefühle blühen auf.
Von Jochen Plinganz

Ein abgeklärter Sarkastiker, der das Übersinnliche verachtet, wird eines Besseren belehrt – so beginnen sonst Horrorfilme, aber in seiner 49. Regiearbeit sucht Allen den eklatanten Kontrast zum depressiven „Blue Jasmine“. Es zieht den inzwischen 78-Jährigen wieder nach Europa, so leichtfüßig wie „Midnight in Paris“ und „To Rome With Love“, zu einer köstlichen, wenn auch unterkomplexen Romantik-Komödie.

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Plötzlich Gigolo

Gemächliche Sittenkomödie um einen Mann für gewisse Stunden, der die jüdische Moralpolizei in Brooklyn alarmiert.

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Fading Gigolo, John Turturro, USA 2013
Kinostart: 06.11.2014, DVD/BD-Start: 10.03.2015
Story: Als der Brooklyner Buchhändler Murray seinen Laden schließen muss, überredet er seinen langjährigen Freund, den Floristen Fioravante, als Callboy reiche Damen zu verwöhnen, die Murray vermittelt. Der Gigolo verliebt sich dabei in die chassidische Witwe Avigal, was allen Ärger mit Sittenwächtern einbringt.
Von Sir Real

Independent-Star John Turturro („O Brother, Where Art Thou?“) koaliert mit Woody Allen in einer sehr allenesk ausgefallenen Komödie, die zwei Storys in 90 Minuten bietet: Einmal ein moderat frivoler Sittenspaß um den Stadtneurotiker als Zuhälter und Turturro als sein Gigolo, dem die lüsterne New Yorker Damenwelt zu Füßen liegt (u.a. Sharon Stone und Sofía Vergara). Was aber weder Buddy-Comedy noch Erotik ausschöpft.

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Venus im Pelz

Ironisch-vielschichtig zettelt Roman Polanski ein Duell der Geschlechter an, das doch nur biedere Altherrenphantasie bietet.

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La Vénus à la fourrure, Roman Polanski, FR/PO 2013
Kinostart: 21.11.2013
Story: Ein langer und erfolgloser Castingtag für das eigens adaptierte Theaterstück „Venus im Pelz“ geht für den angehenden Regisseur Thomas enttäuschend zu Ende. Als die vulgäre Vanda auftaucht und vor leeren Rängen überzeugt, ist Thomas hingerissen. Rasch entwickelt sich daraus ein wahrer Geschlechterkampf.
Von Max Renn

Mit der Adaption von David Ives‘ Broadway-Zwei-Personen-Hit kann Roman Polanski an seine vorangegangenen Großtaten „Der Ghostwriter“ und „Der Gott des Gemetzels“ qualitativ nicht anknüpfen. Letzterer Theaterverfilmung gleich, bietet das amüsante Komödien-Duell zwischen den nach „Schmetterling und Taucherglocke“ wieder gemeinsam agierenden Mathieu Amalic und Emmanuelle Seigner hintersinniges Vergnügen.

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Blue Jasmine

Endstation Sehnsucht: Woody Allens tragikomisches und schonungsloses Psychogramm einer mental gestörten Heuchlerin.

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Woody Allen, USA 2013
Kinostart: 07.11.2013, DVD/BD-Start: 14.03.2014 (digital bereits ab 07.03.2014)
Story: Als ihr betrügerischer Investment-Gatte hinter Gittern landet, verliert das hochnäsige Luxus-Nervenbündel Jasmine alles und schlüpft bei ihrer proletarischen Adoptiv-Schwester, von der sie vorher nichts wissen wollte, in San Francisco unter. Hier sabotiert die alkoholsüchtige Zicke ihre Zukunft erst recht.
Von Max Renn

Cate Blanchett, die Galadriel aus „Herr der Ringe“, leistet in furios-manischer Manier wieder einmal Oscarwürdiges als selbstzerstörerische Society-Lady, die als Luxus-Stadtneurotikerin ihr eigenes Leben und das anderer ruiniert, bis sie als Irre auf der Parkbank endet. Komisch zwar, und auch satirisch, vor allem aber tragisch entwickelt sich daraus ein gestandenes Psychodrama. Allens Euro-Sightseeingtour ist definitiv beendet.

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Inside Llewyn Davis

Die tragikomische Folk-Ballade der Coen-Brüder suhlt sich in stilvoller Depressivität und vollendeter Misanthropie.

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Joel Coen, Ethan Coen, USA/FR 2013
Kinostart: 05.12.2013, DVD/BD-Start: 10.04.2014
Story: Eine Woche im bitterkalten New Yorker Winter 1961. Vergeblich müht sich der junge Folkmusiker Llewyn Davis, nach dem Selbstmords seines Partners schwer depressiv, um Erfolg. Auf einer Reise nach Chicago ruiniert systematisch jede Möglichkeit dafür, weil er sein Talent nicht zu verkaufen weiß.
Von Thorsten Krüger

Schön, dass die Coens einmal keine blutige Moritat („True Grit“) oder Gangstergroteske („No Country For Old Men“) in die Welt setzen. Schade, dass sie sich trotz ungewöhnlichem Thema – die New Yorker Folkmusikszene 1961 kurz vor Bob Dylan – vornehmlich müde selbst zitieren. Wieder ein Pechvogel-Porträt, wieder eine sardonische Antipathie-eske über Misanthropen, wieder eine absurde Odyssee zu verqueren Sonderlingen.

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Alles eine Frage der Zeit

Die lebensweise Brit-Comedy trifft mit Zeitzauberei, zarter Romantik, frechen Pointen und glänzendem Charme direkt ins Herz.

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About Time, Richard Curtis, GB 2013
Kinostart: 17.10.2013
Story: Mit 21 Jahren erfährt Tim von seinem Vater ein Familiengeheimnis: Alle Männer können durch simple Konzentration in ihre Vergangenheit zurückreisen. Begeistert korrigiert der unscheinbare Bravling Entscheidungen so lange, bis er mit Mauerblümchen Mary seine Traumfrau erobert. Die Methode hat gleichwohl Grenzen.
Von Caroline Lin

„Die Frau des Zeitreisenden“ begegnet „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, für den Richard Curtis ebenso das Script schrieb wie für „Notting Hill“. Nach zwei seichten Regiearbeiten landet er mit dieser wunderbar anrührenden Zeitreise-Komödie einen Volltreffer und knüpft direkt an seine respektlos frechen und unschlagbar witzig-charmanten Drehbuchtage an.

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