Steel Rain

Atom-Alptraum Korea: Kalter-Kriegs-Thriller um Leiden und Freundschaft eines Brudervolkes im Angesicht der nuklearen Vernichtung

Steel Rain Cover

Gangcheolbi, Yang Woo-seok, ROK 2017
ohne deutschen Start
Story: Als der nordkoreanische Geheimagent Chul-woo Eom in der Sonderwirtschaftszone Kaesong ein Ziel liquidieren soll, richten zwei US-Raketen ein Massaker an. Mit dem schwer verletzten Führer persönlich flieht Eom nach Süden, wo er mit Staatssekretär Chul-woo Kwak einen Atomkrieg abzuwenden versucht.
Von Caroline Lin

Unserem aktuellen Mini-Cold-War-Revival mit eher mageren Ergebnissen wie „Atomic Blonde“ und „Red Sparrow“ setzt der südkoreanische Drehbuchautor/Regisseur Yang Woo-seok („The Attorney“) den packenden, beklemmenden wie bewegenden Action-Blockbuster „Steel Rain“ entgegen, der nicht nur alle Register eines Hochspannungswerks souverän beherrscht, sondern auch die menschliche Dimension des geteilten Volkes.

Der Nailbiter, der die drohende nukleare Auslöschung der koreanischen Halbinsel ungemein authentisch, die actionreiche Rettung des Friedens durch ein odd couple schon weniger glaubhaft nach den Regeln des Actionkintoppps schildert (dafür emotional echt), reiht sich damit in die Tradition großer Publikums-Hits ein, „Joint Security Area“ (2000) und „Brotherhood“ (2004), und ist für mich der wichtigste koreanische Film dieser Dekade.

Handwerkliche Exzellenz

Mit handwerklicher Exzellenz punkten nicht nur die Actionszenen, von Stahlsplitter-Raketen (daher der Titel „Steel Rain“) über Sniperangriffe, militärische Gefechte, Anschläge, Spezialkommando-Einsätze bis zu modernen Waffensystemen wie Awacs, Aegis und dazu eine beeindruckende Atomexplosion. Es passt auch die Chemie, die zum Nachdenken anregenden Dialoge, die Darstellerleistungen und selbst der verschmitzte Humor.

Gerade letzterer versaut so manche koreanische Hochglanzproduktion, weil er zu salopp und unpassend auftritt. Bei Yang stimmt der Ton, denn er verstärkt die Emotionen, vornehmlich Suspense sowie Mitgefühl für die beiden symbolträchtig beinahe identisch benannten Protagonisten und ihre Familien. Kwak Do-won („The Wailing“) als stoisch-fischiger Nerd und Jung Woo-sung („Asura“) als sehniger Kämpfer ergänzen sich perfekt.

Doomsday und Paranoia

„Steel Rain“ kommt nicht ohne Patriotismus aus, aber ohne Pathos, nicht ohne K-Pop, aber ohne Sentimentalität. Er hat Charme und Chuzpe, besonders wenn er politisch wird und weder am Hungerregime Nordkorea noch an Südkorea und seinem Alliierten, den USA, ein gutes Haar lässt. Gleichzeitig bleibt der Militärputsch immer bestimmend und entfesselt ein Wettlauf gegen die Zeit mit starken Doomsday- und Paranoia-Elementen.

Den Druck, den dieses Damoklesschwert der totalen Vernichtung ausübt, mit etwas treffendem Humor von der MAD-Sorte („mutually assured destruction“) zu begegnen, zeigt den Irrsinn, der oft an Kubricks „Dr. Seltsam“ und seine Spieltheorie gemahnt. Den unfassbaren Kriegsplänen aller Beteiligten setzen die Akteure ihre Namen entgegen, die „strong friendship“ und „bright world“ bedeuten, eine bewegende humanistische Note.

imdb ofdb

Trailer (nur auf Koreanisch…)

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