Archiv der Kategorie: Preview

The Favourite

Irrsinn? Aber ja. Mit Methode! Bös-bissiges Spitting Image eines menschlich grausamen Intrigen-Pokers mit drei exzellenten Aktricen

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aka The Favourite – Intrigen und Irrsinn, Yorgos Lanthimos, IRL/GB/USA 2018
Kinostart: 24.01.2019
Story: England im frühen 18. Jahrhundert. Für die unfähige und sieche Königin Anne führt de facto ihre Jugendfreundin Sarah Churchill heimlich die Regierungsgeschäfte und einen Krieg gegen Frankreich. Dieses Machtgefüge verschiebt die neue Zofe Abigail, die sich treuherzig die Gunst der Regentin erwirbt.
Von David McAllan

Steifes Kostümdrama? Nicht mit Yorgos Lanthimos, der als neuer Arthaus-Anarcho gilt, und einen tatsächlichen historischen Kontext als Basis für eine exquisite Hof-Satire nimmt. „The Favourite“ tritt biestig, boshaft, bissig und bizarr auf, als träfen sich „King George – Ein Königreich für mehr Verstand“ und „Barry Lyndon“ zur Hof(narren)-Sottise, bei der drei Aktricen mit exzellenten Auftritten das Allzumenschliche illustrieren.

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Glass

Die nur halbwegs interessante Fortsetzung von „Split“ und „Unbreakable“ sperrt seine Comickräfte in ein Autorenfilm-Mysterydrama ein

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M. Night Shyamalan, USA 2019
Kinostart: 17.01.2019
Story: Gerade als David seine übermenschlichen Fähigkeiten einsetzt um Kevin Crumb zu stellen, den Mädchenmörder mit den 24 Persönlichkeiten, werden sie verhaftet und in einem Hochsicherheitsanstalt neben Mr. Glass isoliert. Dort will Psychiaterin Ellie sie überzeugen, ihre Kräfte wären bloße Wahnvorstellung.
Von Thorsten Krüger

Drei Jahre nach „Split“ und ganze 19 nach „Unbreakable“ führt M. Night Shyamalan, der Meister des Überraschungsendes, beide Storys zusammen. „Glass“ beschließt seine „Easttrail 177“-Trilogie nicht sonderlich tiefschürfend, und das obwohl die Hollywood-Schwergewichte Bruce Willis, James McAvoy und Samuel L. Jackson hier zu dritt über das Kuckucksnest fliegen, im passabel spannenden Mix aus Mystery, Drama und Thriller.

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Ein Gauner und Gentleman

Charme pur: augenzwinkernde, balladeske Gentleman-Gaunerkomödie, in der Robert Redford und andere Altstars großartig aufspielen

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The Old Man & the Gun, David Lowery, USA 2018
Kinostart: 28.03.2019
Story: Anfang der 1980er Jahre rauben Gauner Forrest und seine Bande trotz ihres vorgerückten Alters weiterhin munter eine Bank nach der anderen gewaltlos aus. Während Forrest mit Farmbesitzerin Jewel anbandelt und vom Ausstieg träumt, erkennt Polizist John als erster das enorme Ausmaß der Raubzüge.
Von David McAllan

Inspiriert vom Leben des Bankserienräubers Forrest Tucker visiert David Lowery („Saints“) kein handelsübliches Gangster-Biopic an, sondern eine tiefenentspannte Crime-Dramödie im Retrolook und superben Old-School-Charme. Den versprühen in „Ein Gauner und Gentleman“ nicht nur Robert Redford („Die Unbestechlichen“) in seiner (so sagt er) letzten Rolle, sondern auch die anderen (Alt)Stars, denen man nur zu gerne zuschaut.

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Keepers

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aka Keepers – Die Leuchtturmwärter, Keepers, aka The Vanishing, Kristoffer Nyholm, GB 2018
DVD/BD-Start: 25.01.2019

Das Flannan Isle Mystery (bei uns als das Rätsel von Eilean Mòr bekannt), bei dem im Jahr 1900 drei Leuchtturmwärter vor der Küste Schottlands spurlos verschwanden, diente bereits als Inspiration für einen Genesis-Song, eine Oper, eine „Doctor Who“-Folge und nun auch für das Spielfilmdebüt des dänischstämmigen TV-Regisseurs Kristoffer Nyholm, der sich an seiner Erfolgsserie „Taboo“ orientiert und mit „Keepers“ wieder Düster-Historisches auflegt, das sich sowohl als brodelnder Thriller wie auch als menschliches Drama auszeichnet.

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Chaos im Netz

Ein Pfannkuchen für das Häschen! Im kurzweilig-kunterbunten Animations-Abenteuer stürzen zwei Arcade-Figuren das Internet ins Chaos

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Ralph Breaks the Internet, Phil Johnston, Rich Moore, USA 2018
Kinostart: 24.01.2019
Story: Als der Arcade-Videospielfigur Vanellope wegen eines fehlenden Ersatzteils die Auslöschung droht, rast ihr Freund Ralph mit ihr ins neu angeschlossene Internet, und ersteigert das Stück dort für 27.001 Dollar. Um die horrenden Kosten aufzutreiben, mischt der ungeschlachte Chaot das Web ordentlich auf.
Von Caroline Lin

Eine kunterbunte Spiele- und Medienwelt regiert im animierten zweiten Adventure um den gutmütigen Riesen Wreck-it-Ralph und seine kleine, quirlige Racing-Kameradin Vanellope (im Original von den Comedians John C. Reilly und Sarah Silverman gesprochen). In Disneys Doppel-Sequel-Jahr 2018 (neben „Die Unglaublichen 2“) läuft „Chaos im Netz“ heiß als eine der Rasanz verpflichtete CGI-Spaß-Ausgabe von „Ready Player One“.

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Aquaman

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James Wan, AUS/USA 2018
Kinostart: 20.12.2018

Der Mann mit der großen Gabel (die später golden wird): Nun erhält auch „Aquaman“ aus den DC Comics seinen Stand-Alone-Auftritt. James Wan, der nichts mehr von seiner Horror-Ära („Saw“, „Conjuring“) zeigt, sondern längst als profilloser Blockbuster-Erfüllungsgehilfe fungiert („Fast & Furious 7“), spricht mit dem Spektakel alle Sinne an – vor allem den Stumpfsinn. Sein blindes Effektbombardement ertränkt in 143 Minuten jeden Anflug von Verstand.

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Mortal Engines

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aka Mortal Engines: Krieg der Städte, Christian Rivers, NZ/USA 2018
Kinostart: 13.12.2018

Satte 100 Millionen Moppen ließ Neuseelands Impresario Peter Jackson sich das aufgedonnerte Steampunk-Abenteuer „Mortal Engines“ kosten. Statt der erhofften Alternative zum industriellen Blockbuster-Einerlei von Marvel & Co. bietet die Adaption von Philip Reeves Buchreihe einfach nur einen teures Plagiat abgegriffener Motive. Mit der Epik von Jacksons „Herr der Ringe“-Trilogie kann die mehr der Fantasy denn der Sci-Fi zugehörige Vision sich gegenseitig verschlingender Raubstädte auf Rädern nicht annähernd mithalten.

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Big Fish & Begonia

In prächtigen Farben und Emotionen leuchtender Anime aus China, ein mythisches Fantasyabenteuer um eine alle Grenzen sprengende Liebe

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Dayu haitang, Liang Xuan, Zhang Chun, CHN 2016
Kinostart: 03.02.2019
Story: Das Mädchen Chun aus einem magischen Zwischenreich soll an ihrem 17. Geburtstag in Gestalt eines roten Delfins für sieben Tage die Welt der Menschen erkunden. Als Fischerjunge Kun sie dort vor dem Tod rettet, dabei aber selbst ertrinkt, geht Chun einen folgenschweren Pakt mit dem Seelensammler ein.
Von Caroline Lin

Der schönste Film, den Japans Anime-Legende Hayao Miyazakinicht selbst gedreht hat, kommt aus China und heißt „Big Fish & Begonia“. In seiner Heimat lief er bereits vor zwei Jahren erfolgreich in den Kinos und mixt für westliche Sehgewohnheiten nicht ganz einfach chinesische Mythen und Sagen mit zeitgenössischer Fantasy, 2D-Trick und 3D-Animation zu einem Coming-of-Age-Abenteuer, das tränenreich melodramatisch auftrumpft.

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Widows

Viele Stars in einem milieuechten, aber unentschlossenen Heist-Thrillerdrama um drei Frauen, die sich in großer Not behaupten müssen

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aka Widows – Tödliche Witwen, Steve McQueen, GB/USA 2018
Kinostart: 06.12.2018
Story: Als ein Chicagoer Banditentrio beim Millionencoup im Gefecht mit der Polizei stirbt, fordert der bestohlene Gangsterboss das Geld von den Witwen der Toten ein. Mit dem Mut der Verzweiflung planen Veronica, Alice und Linda einen Raubzug, doch die Chancen der um ihr Leben Betrogenen stehen schlecht.
Von David McAllan

„12 Years a Slave“-Regisseur Steve McQueen stellt mit „Widows“ so etwas wie die ernsthafte Oscar-Alternative zur hirnweichen Caper-Comedy „Ocean’s Eight“ vor. Großartige Darsteller bis in kleinste Nebenrollen, Vielschichtigkeit, ein cleveres Lavieren am Schnittpunkt zwischen Genre-Thriller und Charakterstudie, Milieudrama, Politkommentar und Frauenfilm – trotzdem ist das Resultat nicht mehr als die Summe seiner Teile.

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Operation: Overlord

Trash mit Budget: von J.J. Abrams produzierter Kriegsactionhorror, der als grenzwertig idiotische Exploitation herumschleudert

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Overlord, Julius Avery, USA 2018
Kinostart: 8.11.2018
Story: Um am D-Day 1944 ihren am Strand gelandeten Kameraden zu helfen, soll ein kleiner Trupp US-Soldaten um Boyce und Ford hinter feindlichen Linien einen deutschen Radarturm nahe eines französischen Dorfs sprengen. Dann entdecken sie in einem Bunker grauenvolle Experimente für Supersoldaten.
Von Max Renn

Der Name von „Das Erwachen der Macht“-Regisseur J.J. Abrams garantiert diesmal nicht für die Mystery eines „Lost“ oder „Cloverfield“, sondern Exploitation pur. Was in Ordnung ginge, wenn sich Julius Averys „Operation: Overlord“ nicht für etwas anderes (und Besseres) halten würde. Das zeigt sich zu Beginn, der sich als packender Kriegsfilm geriert, doch lange nicht an „Der Soldat James Ryan“ oder „Dunkirk“ anschließen kann.

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In My Room

Endzeit als Gedankenexperiment: Ulrich Köhlers außerordentliches Überraschungspaket entzieht sich klug allen Kategorisierungen

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Ulrich Köhler, D/I 2018
Kinostart: 08.11.2018
Story: Als freier Kameramann hat Armin einen Job versiebt, worauf eine Negativserie folgt, die für den nicht mehr ganz jungen Herumhänger im Tod seiner Großmutter endet. Als er frustriert und verkatert tags darauf aufwacht, sind alle Menschen spurlos verschwunden. Armin ist völlig allein auf der Welt. Was nun?
Von Thorsten Krüger

Dass Ulrich Köhler der Lebensgefährte von Maren Ade („Toni Erdmann“) ist, merkt man „In My Room“ am ehesten der lakonischen Tragikomik an, mit der sich im minimalistischen Modus der Berliner Schule zunächst das nicht zukunftsfähige Lebenskonzept eines desorientierten Verweigerers entfaltet. In diese dokumentarische Lebensnähe funkt die Apokalypse, die ihn zum radikalen Neuanfang in einer menschenleeren Welt nötigt.

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Bohemian Rhapsody

Das spät mitreißende Biopic des Queen-Sängers – Rami Malek brilliert als Rampensau – elektrisiert auch musikalisch als Rock-Konzertfilm

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Bryan Singer, GB/USA 2018
Kinostart: 31.10.2018
Story: 1970 stößt der schüchterne Farrokh Bulsara zu den Londoner Hinterhofrockern Smile, tauft sie in Queen um und nennt sich Freddie Mercury. Gemeinsam gelingt ihnen der Durchbruch, doch der bisexuelle Freddie zerstört mit wilden Exzessen sowohl seine Ehe als auch die Band – bis 1985 die Reunion gelingt.
Von Jochen Plinganz

Bryan Singer, der bei seinen „X-Men“ stets sein großes Herz für Außenseiter wunderbar sensibel bewies, bietet in der seit Jahren überfälligen und immer wieder verschobenen Doppelbiografie von Englands legendären Rockgiganten Queen und ihrem schillernden Frontman Freddie Mercury für Rami Malek („Mr. Robot“, „Papillon“) ein Showcase zur Oscarniominierung und viel Platz für alle mitreißenden Hits der stilprägenden Band.

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Under the Silver Lake

Andrew Garfield findet in der überbordenden Mystery Komisches, Kurioses, Konspiratives und Kulturgeschichtliches – nur keine klare Linie

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David Robert Mitchell, USA 2018
Kinostart: 06.12.2018
Story: Slacker Sam muss in fünf Tagen sein Apartment mit Poolblick in L.A. räumen, da begegnet er Sarah, die am nächsten Tag verschwunden ist. Verwundert beginnt er nach ihrem Verbleib zu forschen und surft dabei durch eine von Hollywood geprägte Stadt der Illusionen, Verschwörungen, kriminellen Abgründe.
Von Thorsten Krüger

„Under the Silver Lake“ darf man getrost als dunklen Bruder von „La La Land“ betrachten, ein mit zweieinhalb Stunden in jeder Hinsicht voluminöses Werk, dass das alte Hollywood nicht melodramatisch umarmt, sondern seine Kultur Schicht um Schicht freilegt, indes gebrochen von einer ironischen Distanz, die der Suche nach Antworten mit dem Ergebnis, dass das Leben absurd ist, die emotionale Verbindung kappt.

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Aufbruch zum Mond

Intimes Blockbuster-Porträt von Neil Armstrongs ikonografischer Mondlandung als emotions- und actionreiches Autorenkino-Abenteuer

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First Man, Damien Chazelle, USA 2018
Kinostart: 08.11.2018
Story: Als die kleine Tochter des Testpiloten Neil Armstrong Anfang der 60er Jahre an einem Gehirntumor stirbt, wagt er mit seiner Familie einen Neuanfang und nimmt am Raumfahrtprogramm der NASA Teil, die mit halsbrecherischen Methoden versucht, das Rennen im Weltall gegen die Russen zu gewinnen.
Von David McAllan

Damien Chazelle, der jüngste Oscargewinner (für sein exzellentes Musical-Melodram „La La Land“), kitzelt abermals aus Coolness-Idol Ryan Gosling („Blade Runner 2049“) eine erstklassige Darstellerleistung heraus, indem er einen der schillerndsten Momente der Raumfahrt (womöglich gar der Menschheit) mit Handkamera als intimen Autorenfilm, aber dem Budget sowie der Action eines Blockbusters aufregend neu erzählt.

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Halloween

David Gordon Greens ambitionierter, aber arg durchwachsener Anschluss an Carpenters Slasher-Ikone setzt sich zwischen alle Stühle

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David Gordon Green, USA 2018
Kinostart: 25.10.2018
Story: 40 Jahre auf den Tag genau, als er Laurie Strode zu ermorden versuchte, bricht Serienkiller Michael Myers aus der Anstalt aus, um zu Halloween 2018 eine Blutspur nach Haddonfield zu ziehen. Sein Ziel: das ehemalige Opfer Laurie, dessen Leben er ruinierte, ihre Tochter und die halbwüchsige Enkelin.
Von Thorsten Krüger

Vier Jahrzehnte nach John Carpenters stilbildenden Schlitzer-Thriller drückt Universal/Miramax/Blumhouse den Reset-Knopf bei „Halloween“. Die von Carpenter und Jamie Lee Curtis produzierte „Fortsetzung“ ignoriert alle Nachfolger (derer es eine erkleckliche Fülle gibt), darunter Rob Zombies passables Remake von 2007, und setzt ambitioniert am Original an. Das Ergebnis will über gute Ansätze jedoch einfach nicht hinauskommen.

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Shoplifters

Wahlverwandtschaften: Der diesjährige Cannes-Gewinner zeigt mit seiner anrührenden Utopie Alternativen zur sozialen Kälte (Japans) auf

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Manbiki kazoku, Hirokazu Koreeda, J 2018
Kinostart: 27.12.2018
Story: Gelegenheitsarbeiter Osamu bringt seine Angehörigen mit Ladendiebstählen durch, bei denen sein junger Sohn Shota mithilft. Als sie in einer kalten Winternacht die kleine Suri auflesen, nehmen sie das misshandelte Mädchen in ihre 5-köpfige Familie auf, die als bunter Trupp Lebenskünstler zusammenhält.
Von Sir Real

Cannes-Regular und verdienter Gewinner der Goldenen Palme 2018, Hirokazu Koreeda („Unsere kleine Schwester“), legt mit „Shoplifters“ eine fabelhafte Erzählung vor, deren subtiler Humanismus zu Tränen rührt – nicht nur, weil er der Versuchung widersteht, auf die Tränendrüse zu drücken. Sondern auch, weil er die Utopie eines ehrlichen, menschlichen Miteinanders von Wahlverwandtschaften vermittelt – in einem sozial kalten Land.

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Predator – Upgrade

Ein Downgrade: Die Fortsetzung des muskulösen Actionklassikers zappelt sich durch einen sinnfreien Macho-Comicstrip für die ADHS-Generation

Predator – Upgrade Cover

The Predator, Shane Black, CDN/USA 2018
Kinostart: 13.09.2018
Story: Elite-Sniper Quinn soll nach einer Begegnung mit dem außerirdischen Predator von der Regierung mundtot gemacht werden, hat aber seinem autistischen Sohn Teile der Rüstung geschickt. Weitere Predatoren und die Regierung jagen danach, Veteranen und eine Biologin helfen Quinn, die Gefahr zu bannen.
Von Thorsten Krüger

Shane Black, der durchaus talentierte Drehbuchautor der „Lethal Weapon“-Reihe und zuletzt Inszenator von „The Nice Guys“, spielte im Original-„Predator“ einen Söldner, der durch peinliche Sexwitze auffiel. Für das Remake, Reboot oder wie auch immer man „Predator – Upgrade“ nun bezeichnen soll, dehnt er sein Humorverständnis auf die ganze Strecke aus und legt derbe Sitcom-Flüche in einem kirren Action-Tollhaus vor.

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The Nun

Der übel gepanschte Gruselfusel, bei man glatt Kopfschmerzen bekommt, ist der erste echte Totalausfall des „Conjuring“-Universums

The Nun Cover

Corin Hardy, USA 2018
Kinostart: 06.09.2018
Story: 1952 reisen Priester Burke und Novizin Victoria in ein entlegenes rumänisches Frauenkloster, wo sie mit Bauer Frenchie den Suizid einer Nonne, die sich kürzlich erhängt hat, untersuchen sollen. Die Einheimischen halten das Konvent für verflucht, wo eine teuflische Kraft die Leitung übernommen hat.
Von Gnaghi

Gleichmal vorweg: Die Nonne war‘s. Okay, das ist kein Spoiler. Denn an „The Nun“, dem mit Abstand schlechtesten Eintrag in James Wans „Conjuring“-Welt, gibt es nichts zu spoilern. Mehr als das Wenige in „Conjuring 2“ erfährt man über die dämonische Nonne nicht. „The Hallow“-Regisseur Colin Hardy nudelt inspirationslos ein dilettantisches Script herunter, weit unter Niveau, das noch die „Annabelle“-Spin-Offs hielten.

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The Guilty

Dänischer Thriller, dessen Weniger-ist-mehr-Konzept voll aufgeht und der fesselndes Kopfkino und ein bewegendes Psychogramm bietet

The Guilty Cover

Den skyldige, Gustav Möller, DK 2018
Kinostart: 18.10.2018
Story: Der nach schwerem Fehlverhalten in die Kopenhagener Notrufzentrale strafversetzte Asger schiebt lustlos Nachtdienst, als ihn ein Anruf von Iben erreicht. Die zweifache Mutter wurde entführt und befindet sich im Van ihres vorbestraften Mannes. Mit Kollegen und auf eigene Faust will Asgar sie finden.
Von Thorsten Krüger

Quasi in Echtzeit lässt der dänische Debütant Gustav Möller einen Thriller komplett aus der Perspektive einer Notrufzentrale ablaufen. Alles, was der käsige „The Call“ 2013 falsch machte, macht „The Guilty“ richtig: Ein formidables, mit Publikumspreisen bedachtes Kammerspiel, das wie ein Hörspiel die Bilder im Kopf entstehen lässt und mit einer Ein-Ort-ein-Mann-Show (Jakob Cedergren, „Nordlicht“) auch emotional einschlägt.

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Patient Zero

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Stefan Ruzowitzky, GB 2018
DVD/BD-Start: 25.10.2018

Der für sein KZ-Drama „Die Fälscher“ oscarprämierte Wiener Stefan Ruzowitzky („Anatomie“) legt in seinem dritten englischsprachigen Film, „Patient Zero“, ein nur in Ansätzen interessantes B-Movie des Infizierten/Zombie-Subgenres hin, dessen Ende knapp am Schrott vorbeifliegt. Die Suche nach dem ersten Infizierten eines Wutvirus‘, das die Erde überrannt hat, findet komplett in einer unterirdischen Bunkeranlage statt, die als Forschungslabor dient und ein Kammerspiel hervorbringt, das mit Hast Thrill erzeugt, bei Atmosphäre und Horror aber weitgehend versagt.

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Upgrade

Sensationell unterhaltsamer Sci-Fi-Actioner, der mit B-Movie-Härte clever die Fusion von Mensch und KI-Maschine betreibt

Upgrade Cover

Leigh Whannell, AUS 2018
ohne deutschen Start
Story: Grey, ein technikfeindlicher Automechaniker der nahen Zukunft, überlebt einen Überfall nur querschnittsgelähmt, während seine Frau vor seinen Augen ermordet wird. Mithilfe eines illegal implantierten Hochleistungs-Chips namens Stem erlangt er übermenschliche Kräfte, um fortan die Mörder zu jagen.
Von Max Renn

Leigh Whannell, kreativ eng verbunden mit der „Saw“– und „Insidious“-Reihe, deren dritten Teil er inszenierte, unternimmt eine Schreckensreise in die nahe Zukunft und legt für Blumhouse Tilt („Das Belko Experiment“) den nachtschwarzen Thriller „Upgrade“ vor, der sich als stimmungsvolles B-Pic seine Vorbilder genüsslich einverleibt hat, insbesondere „Terminator“ und „RoboCop“, gewürzt mit Gewalt und genialen Zukunftsfragen.

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Marrowbone

Der Mix aus Goth-Chiller und Geschwisterdrama des „Waisenhaus“-Autoren offenbart die Schwierigkeit psychologisch stimmiger Enthüllungen

Marrowbone Cover

aka Das Geheimnis von Marrowbone, Sergio G. Sánchez, E 2017
DVD/BD-Start: 26.10.2018
Story: 1969 flüchtet Rose mit ihren vier Kindern vor einem brutalen Ehemann in das einsame Marrowbone-Anwesen. Als sie verstirbt, gelobt ihr ältester Sohn Jack, sich und die Geschwister zu verstecken, bis er 21 ist. Jedoch sind sie nicht allein in dem baufälligen Landhaus, beäugt von einem gierigen Anwalt.
Von Thorsten Krüger

Für J.A. Bayona, der inzwischen nach Hollywood migriert ist („Jurassic World 2“), schrieb Sergio G. Sánchez 2007 den Horrorhit „Das Waisenhaus“ und 2012 die Tsunami-Tragödie „The Impossible“, wofür Bayona nun als Produzent Sánchez‘ Regiedebüt „Marrowbone“ ermöglicht. Der kombiniert übernatürliche Bedrohungen eines Spukhauses mit einem psychologisch austarierten Geschwisterdrama mit zufriedenstellend (tragischer) Wende.

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Our House

Our House Cover

Anthony Scott Burns, CDN/D/USA 2018
ohne deutschen Start

Elektromagnetismus löst wieder einmal paranormale Phänomene aus in „Our House“, einem patenten, aber recht unspektakulären und reichlich konventionellen Familienhorror um Spukerscheinungen, deren Grundlage die Garagenexperimente des jungen Tüftlers Ethan bilden (Thomas Mann, der aus „Ich und Earl und das Mädchen“ nur seinen treuen Hundeblick importiert hat): eine Apparatur zur kabellosen Stromversorgung, die bloß Blackouts produziert. Als zeitgleich Ethans Eltern bei einem Unfall sterben, schließt er mit seiner Obsession ab, um als Alleinerziehender den bockigen, vorpubertären Bruder und seine anhängliche kleine Schwester durchzubringen – bis diese behauptet, den Geist ihrer Mutter zu sehen.

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Mission: Impossible – Fallout

Tom Cruise im sechsten Agenteneinsatz: Stunts und Action stimmen, aber der doppelte Boden wird zum überraschungslosen Dauermanöver

Mission: Impossible – Fallout Cover

Christopher McQuarrie, USA 2018
Kinostart: 02.08.2018
Story: Bei ihrem Plan, globales Chaos zu verursachen, hat eine Terrorgruppe namens „Apostel“ mit einem IMF-Insider konspiriert und genug Plutonium für drei Atombomben gemopst. Ethan Hunts erster Versuch, das waffenfähige Material zu sichern, scheitert. Der nächste reaktiviert Erzfeind Solomon Lane.
Von David McAllan

Nach „Rogue Nation“, dem fünften Teil der Unterhaltungsreihe, führt Christopher McQuarrie („Jack Reacher“) Regie auch bei Nummer sechs, „Mission: Impossible – Fallout“, dem man den Vorsatz ansieht, neben Agentenaction-Franchises wie Bond und Bourne bestehen zu müssen. In höchst professioneller Spannungsmaschinerie und allzu gut geöltem Plot sind die Trademarks der Serie zur spektakulären Aneinanderreihung verdammt.

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Searching

Lange Zeit ausnehmend fesselnder Desktop-Thriller, der seine enormen Qualitäten mit zwei hollywoodesken Twists selbst einschränkt

Searching Cover

Aneesh Chaganty, USA 2018
Kinostart: 30.08.2018
Story: Die beinahe 16-jährige Collegestudentin Margot, Tochter des seit dem Krebstod seiner Frau alleinerziehenden David, ist über Nacht verschwunden. Nur ein heimlicher Camping-Ausflug? David forscht in ihren Social-Media-Konten nach und schaltet die Polizei ein. Ermittlerin Vick übernimmt den Fall.
Von Thorsten Krüger

Der für Modernismen stets offene Timur Bekmambetow („Wächter der Nacht“, „Hardcore“) produzierte den Indie-Thriller „Searching“, der in Sundance dieses Jahr mit dem Zuschauer- und Nachwuchspreis ausgezeichnet wurde. Er verbindet die Perspektive von Computer-Desktops mit einer geradezu sensationell einfühlsamen Inszenierung, die sich nach und nach zum nervenzehrenden Thriller auswächst – mit zwei Twists zu viel.

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