auf DVD erhältlich
Die in Norwegen entstandene österreichische Produktion von Paul May, der zuvor mit der Kasernenhof-Trilogie „08/15“ Erfolgsgeschichte schrieb, wurde mit über sieben Millionen Zuschauern zum kassenträchtigsten deutschsprachigen Hit 1960: Eine tragische Bauernsippe-vs-Adelsgeschlecht-Saga, die Seifenoperetten und Heile-Welt-Heimatfilme weit hinter sich lässt und ein urwüchsiges Melodram dichtet.
An der berühmten, gleichnamigen Vorlage ist Mays komprimierte und geraffte Version nur grob orientiert: Der dreiteilige Heimat- und Bauernroman von Trygve Gulbranssen erschien 1935 und 1936 als Zweibänder in Deutschland und wurde, nicht zuletzt wegen seiner den Nazis sympathischen Blut-und-Boden-Romantik und ihrer Vergötterung alles Nordischen eines der bestverkauften Bücher seiner Zeit.
Mag es mithin unvorteilhaft sein, das Buch zu kennen, die Adaption entwickelt eigene Qualitäten: In Bildern, die oft wie pastöse Gemälde wirken, erzählt May von Schuld und Schulden, die bisweilen mit dem Leben bezahlt werden müssen, im schicksalsschweren Clinch des Björndal-Hofes mit den verarmten Borgdalern. Beide verbeißen sich ineinander wie in einem Kampf auf Leben und Tod Mann gegen Bär.
Liebe und Hass sind Grundkonstanten einer auf Missverständnissen beruhenden Feindschaft, die sich in grandioser Nordnatur entwickelt und ein mystisches Grundrauschen erzeugt, das die Geschichte wie eine Mär aus ferner Zeit überhöht. Darin brilliert Gerd Fröbe – der legitime Erbe von Heinrich George – als hartherzig-starrsinniger Geizbrocken, der aus Wut über den Verlust des Erstgeborenen Feinde und sich selbst zugrunde richtet.
So definiert sein Auftritt als gerissener Geschäftsmann das Werk um Besitz und Kapital als Skandinavien-Buddenbrooks, den Holz-Tycoon als Hauffsche („Das kalte Herz“) und Dickenssche („Eine Weihnachtsgeschichte“) Figur. Dem gegenüber steht die reine Liebe von Adelheit und Dag, altmodisch und anrührend, aber auf bewegende Art feierlich: denn hier konkurriert das archaisch Alte mit dem humanistisch Neuen.
Im Ringen der Generationen um die Emanzipation aus grauer Vorzeittradition siegt Vernunft über Gewalt, löst moderne Moral das Erbrecht und den Spätfeudalismus ab. Außerdem konvertiert das Heidentum zum Christentum, eine auch den Vater umfassende Menschwerdung von starker Gefühlskraft, die mit Weihnachtsmette und Kindgeburt fast schon die heilige Erlösung des einsamen, letzten Bärs von Björndal thematisiert.
Ein jeder sehnt sich nach Frieden und diese Gottesgnade haben alle dringend nötig, weil sie, vom Teufelsdrachen Elisabeth bis zum ewig trauernden Patriarch, aus eigener Kraft nicht die tragischen Verstrickungen durchbrechen können. Sie alle sind Charaktere, nicht einfach nur Figuren, auch wenn bei Gulbranssen ihre innere Entwicklung ausgeprägter ist und sich durch die Sagensprache intensiver in der Bergnatur spiegelt.
Aber der mit dem zernarbten Fröbe, Joachim Hansen („Der Stern von Afrika“), Maj-Britt Nilsson („Einen Sommer lang“), Hansjörg Felmy („Die Buddenbrooks“) und der fast schon unheimlichen Anna Smolik („Der Teufel spielt Balalaika“) ausnehmend gut besetzte und gespielte Familienzwist an der Jahrhundertwende ist ein facettenreiches, leidvolles wie beglückendes Heimatepos auf hohem Niveau.