Der Spanier Manuel Carballo („Der Exorzismus der Emma Evans“) steht für grundsolide Genreware der B-Liga, die bei uns die Videothekenregale füllt. Durch die Vorlage seines Landsmanns Hatem Khraiche („Das verborgene Gesicht“) gelingt ihm ein atypischer Zombiefilm. So originell dessen Drehbuch auch ausfallen mag, Carballos plumpe Regie schießt dermaßen quer, dass generell ein recht zwiespältiges Ergebnis herauskommt.
Anstatt Gedärm, Apokalypse und Überlebenskampf von Hits wie „The Walking Dead“ oder „World War Z“ überrascht ein zwischen Independent und Genre siedelndes Polit- und Gesellschaftsdrama, das zwar SciFi ist, aber wie eine heutige Allegorie auf unseren stigmatisierenden Umgang mit Krankheiten wie HIV in den 80er Jahren funktioniert. Eine Studie, wie sich faschistoide Tendenzen in Bedrohungssituationen Bahn brechen.
Ein betroffenes Pärchen muss sich verstecken wie die Juden vor den Nazis im Dritten Reich, während man nach einer schwelenden Phase grober Diskriminierung Konzentrationslager errichtet und mit Gestapo-Methoden Euthanasie betreibt. Allerdings ist das Virus auch eine Bedrohung, so gefährlich wie in „28 Days Later“: Wer als Betroffener nur eine der täglichen Injektionen verpasst, wird zur fleischfressenden Gefahr.
Diese wandelnden, unerkannten Zeitbomben kann man sich auch als Terroristenschläfer vorstellen, womit man beim 11. September und dem Lebensgefühl vieler Muslime in Amerika angekommen wäre. Dies liest sich packender als es ist: Carballo hintertreibt die Durchschlagskraft seiner weitreichenden Utopie mit einer stereotypen, auch optisch billigen Anti-Vorurteils-Dramaturgie, die so langweilig wie die Handlungsträger ausfällt.
Am geringen Budget liegt es jedoch nicht, dass Carballos Wahl der Mittel mittelprächtig ausfällt: einerseits thesenartig, andererseits wie ein hochdramatischer Freundschaftsverrat mit tränenreicher Liebestragödie, dessen flache, unterentwickelte, sympathielose Figuren einem aber nichts bedeuten, was auch den No-Name-Darstellern geschuldet ist – Welten entfernt von Robin Campillos meditativ-poetischem „They Came Back“.