Jack Strong

Mit Konventionshülsen kämpfendes Thriller-Denkmal für den rehabilitierten polnischen Nationalhelden Ryszard Kukliński.

Jack Strong Cover

Wladyslaw Pasikowski, PL 2014
ohne deutschen Start
Story: Obwohl der polnische Oberst Ryszard Kukliński weiß, wie grausam Menschen hingerichtet werden, die für den Westen spionieren, liefert er ab 1972 Informationen über die geheimen Atomkriegspläne der sowjetischen Besatzer für Europa an die CIA. Damit bringt er sich und seine Familie in andauernde Lebensgefahr.
Von Thorsten Krüger

Der Spion, der aus der Kälte kam: Was nach einem B-Action-Titel klingt, ist lediglich der Tarnname des wohl wichtigsten Informanten der Amerikaner vor Ort im Warschauer Pakt, der kaum über seine Landesgrenzen hinaus bekannte polnische Volksarmist Ryszard Kukliński (1930-2004). Dabei sollte diesen Namen jeder kennen, denn er hat entscheidend dazu beigetragen, einen sowjetischen Angriffskrieg zu verhindern.

Wladyslaw Pasikowski, der sich mit seinem Script für „Das Massaker von Katyn“ und der Regie von „Aftermath“ als zentrale Gedenkstimme und Gewissensforscher jüngerer polnischer Historie etabliert hat, gibt sich diesmal geradezu staatstragend. In Rückblenden erzählt er nach dem Muster des klassischen Spannungskinos ein Zeitgeschichtsdrama, das mit Politthriller-Bausteinen Lebensabschnitte Kuklińskis zusammenrafft.

So klar die Motivation, so nachlässig der Plot

Dieser muss als Mitglied des Militärs erleben, wie russischen Panzer den Prager Frühling in den depressivsten Winter zurückschießen, wie die unter der Fuchtel des sowjetischen Statthalters Marschall Kulikov stehende polnische Armee 1971 streikende Arbeiter massakriert. Neben eigener Schuld und Abscheu vor den brutalen Besatzern aus Moskau entsetzen den Patrioten Atomkriegspläne, die sein Land zur Wüste verheert hätten.

So klar die Motivation des Protagonisten (intensiv: Marcin Dorocinski aus „Rose“) ist, so nachlässig und rasch handelt Pasikowski den Plot ab, verleiht diesem keinen Überbau und arbeitet vieles nicht richtig heraus. Im hohen Tempo kommen Beziehungen wie die zum Washingtoner Kontaktmann (Patrick Wilson, „The Conjuring“) kaum zur Geltung, das Biopic bleibt übertrieben unsentimental bis notorisch nüchtern.

Finsterer Blick hinter den eisernen Vorhang

Was sich parallel zur Arbeiterbewegung Solidarność von Lech Wałęsa entwickelt, verzichtet auf spekulative Action, außer in einer Autoverfolgungsjagd auf schneeglatten Gassen, rekapituliert indes zu kursorisch die Etappen eines Alliierten, der mehrfach fast erwischt wird. Viel zu peripher bleibt Privates, obwohl wichtig – der rebellische Sohn, der den Vater als Opportunist verachtet, die Frau, die ihm eine Affäre vorwirft.

Was am meisten bewegt beim Blick hinter den eisernen Vorhang, wo es ziemlich finster aussieht: Der Bann des Authentischen, der den geschliffenen John-le-Carré-Elaboraten „Dame, König, As, Spion“ oder „A Most Wanted Man“ fehlt, verleiht ein Grundmaß vibrierender Spannung. Die Suspense, als in letzter Sekunde, den Tod vor Augen, seine bis dahin ahnungslose Familie nach Westberlin geschmuggelt wird, ist beträchtlich.

Kommt Kukliński nicht nahe genug

Für eine entschlossene Würdigung aller Wagnisse eines Menschen, der als Landesverräter zum Tode verurteilt und, zwar umstritten, längst rehabilitiert wurde, kommt Pasikowski Ryszard Kukliński nicht nahe genug, der seine beiden Söhne unter ungeklärten Umständen verlor. Das entscheidende Mahnmal, das dieser Mann verdient, steht noch aus. So lange informiert die auf arte gezeigte Doku „War Games“ eindringlicher.

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