Schändung

Streng schematischer, düster und brutal gewirkter zweiter Kinokrimi nach Jussi Adler-Olsens Bestseller-Ermittler Carl Mørck.

Schändung Cover

Fasandræberne, aka The Absent One, Mikkel Nørgaard, DA 2014
Kinostart: 15.01.2015, DVD/BD-Start: 27.08.2015
Story: Im Dezernat Q öffnen Carl Mørck und Partner Assad die Akte eines auf 1994 zurückdatierenden Doppelmords. Dessen wahre Täter sind die einflussreichen Topmaganer Ditlev und Ulrik, die ihre Ermittlungen behindern. Eine fieberhafte Suche nach der seit 20 Jahren verschwundenen Zeugin Kimmie entbrennt.
Von Thorsten Krüger

Das Team von „Erbarmen“ kommt in der dänisch-deutschen Koproduktion gütemäßig nicht über den Vorgänger hinaus. Die knapp bemessene Komik zwischen dem kettenrauchenden Miesepeter Carl (Hackfresse: Nikolaj Lie Kaas) und seinem umgänglichen Assistenten Assad (Fares Fares) reagiert zu keiner Buddy-Chemie. Aus einem stillgelegten Fall destillieren sie Sexualdelikte und Serienmorde von drei dafür nie belangten Tätern.

Diese sind über jeden Ermittlungsschritt genauestens informiert und aus der Multiperspektive auch der Zuschauer – Überraschungen und Twist sind damit ausgeschlossen und ein Thriller mag kaum entstehen. Taghelle Rückblenden enthüllen die ultrabrutalen Taten eines amoralischen Internats-Trios (reich, schön, skrupellos – gab’s ja noch nie), nur Kimmie bleibt ambivalent (fällt als sexy Emma-Watson-Version auf: Sarah-Sofie Boussnina).

Ohne Eleganz und Funkenschlag

So sehr Mikkel Nørgaard auch Abgründe und Charakterprofil bestrebt, sein meist im Sepiahalbdunkel, bei Dämmerung oder Regen spielendes, zähes Kriminalwerk bleibt überaus eindimensional. Ohne Eleganz und Funkenschlag nimmt die Suche nach der obdachlosen Zeugin viel Laufzeit in Anspruch. Als Carl sie findet, lässt er sie so unprofessionell wieder laufen, dass allein das Krimikonstrukt als Grund dafür infrage kommt.

Beider amateurhaftes Fehlverhalten strapaziert die Glaubwürdigkeit. Lediglich das Gespräch des destruktiv-depressiven Menschenmisstrauers Carl mit der seelenverwandten Kimmie birgt den Hauch eines emotionalen Kerns. Wie später eine Frau allein Rache nimmt, strotzt vor Logiklöchern, die Konfrontation mit Sadisten bleibt nur passables Futter für die Skandinavienkrimifraktion, weit entfernt von „Mittsommermord“ oder „Millenium“.

Ein Gedanke zu „Schändung“

  1. Mich hat schon die Verfilmung des ersten Teils enttäuscht, vor allem die Darstellung des Carl entsprach nicht dem, was man eigentlich erwartet hat. Daher glaube ich auch nicht, dass der zweite Teil besser wird, zumal mir die ganze Geschichte beim Lesen schon nicht so gefallen hat. Ich kann dem Text also irgendwie zustimmen, ohne bisher irgendwas von Schändung gesehen zu haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.