Wild Tales

Wild Tales Cover

Relatos salvajes, Damián Szifrón, RA/E 2014
Kinostart: 08.01.2015, DVD/BD-Start: 25.06.2015

In der von Pedro Almodóvar produzierten argentinische Anthologie unterbreitet der aus der Provinz Buenos Aires stammende Damián Szifrón („Tiempo de valientes“) sechs Segmente, die als finstere Komödie das Groteskgeschehen illustrieren, das sich ergibt, wenn mehr oder minder normale Menschen ihre Wut ungezügelt ausleben. Die nicht miteinander verwobenen Episoden sind als eigenständige Kurzfilme aufgereiht, die studieren, wie Zorn und Rachegelüste in eine charakteristische Eskalationsdramaturgie ausufern, die Moral und Gesetz sprengt.

Vom großartigen Auftakt – einem Flugzeugabsturz als Abrechnung – an bestimmt hinterhältiger schwarzer Humor die als hämisches Vergnügen unterbreiteten Mordpläne und Kriegserklärungen, die sich in bisweilen tödlichen Scharmützeln aufschaukeln. Mit lustvollem Stil beschreiten die Figuren komplett destruktive Pfade, wenn sie nur lange genug gereizt werden. So auch Argentiniens Star Ricardo Darín („7th Floor – Jede Sekunde zählt“) als urbaner Sprengmeister, dessen Ärger mit Ämtern und Abschleppdiensten wie ein Kondensat von „Falling Down“ wirkt: Ein Wutbürger, ein Indignado, der als Sozialheld im Knast landet.

Gallig-böse Gesellschaftskommentare

Die Geschichten um Korruption, Machtmissbrauch oder Erpressung sind auch gallig-böse Gesellschaftskommentare. Aber die Komischeren wie die finale Bluthochzeit fallen nicht absurd genug aus, die Ernsteren entfalten nicht die emotionale Wucht, die sie anstreben. Und jede von ihnen hat eine Wendung, die sie ins Unplausible taumeln lässt, weil Szifrón einen perfiden Schwenk sucht, ihn dann aber relativiert und oft ins Realitätsnahe zurückrudert. Gutes Niveau allemal – mehr aber auch nicht.

Sir Real

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