The Death of Stalin

Politfarce, in der satirisch-komisch wie düster-beklemmend die Diadochenkämpfe um Stalins Nachfolge in der UdSSR entbrennen

The Death of Stalin Cover

Armando Iannucci, F/GB/B 2017
Kinostart: 29.03.2018
Story: Moskau 1953. Als Sowjet-Diktator Josef Stalin nach einem Herzinfarkt reglos in seinem Amtszimmer liegt, ruft seine kriecherische Kamarilla keinen Arzt, sondern bringt sich intrigant für die Nachfolge des Terrorherrschers in Stellung. Malenkow, Geheimdienstchef Beria und Chruschtschow opponieren.
Von Thorsten Krüger

Wenn Armando Iannucci, der Erschaffer von „The Thick of It“ und „Veep“, wieder hinter die Vorhänge der Macht des Politbetriebs schaut und einmal mehr für beißende Dialoge sorgt, hat er keine Bad-Taste-Turbulenz wie Seth Rogens Nordkorea-Comedy „The Interview“ im Sinne, sondern eine kuriose Politfarce vor grausamen historischem Hintergrund. In „The Death of Stalin“ bleibt einem das Lachen deshalb oft im Hals stecken.

Abgesehen von der (in der deutschen Synchro bereinigten) Irritation, dass das Ensemble feinstes britisches Englisch spricht, kann die bis in kleinste Nebenrollen prominent besetzte Schauspielgarde (darunter Monty-Python-Mitglied Michael Palin) auf ganzer Linie punkten. Besonders Steve Buscemi („Fargo“) als Nikita Chruschtschow ist köstlich beim Einblick hinter die Kulissen eines Staates, der die eigene Bevölkerung terrorisiert.

In Russland verboten

Todesangst als Comedy-Konzept: Erbarmungslosigkeiten als Hintergrundgeräusch und Dialoge verraten viel über Zustände und Mentalität. Sie legen Zeugnis der mannigfaltigen Schrecken einer menschenfeindlichen Diktatur ab, belegen Willkür, Folter, Hinrichtungen, Denunziationen und Entmenschlichung. Angesichts der Historie ist diese Komödie eigentlich ein grausamer Horrorfilm, der einem das Rückgrat herauf kriecht.

In Putins „Loveless“-Russland, wo der Massenmörder und Verbrecher Stalin hoch verehrt wird, ist „The Death of Stain“ verboten worden. Denn Iannucci zeigt respekt- und würdelos, wie ein skrupelloser Tyrann, der Millionen umbringen ließ, in einer Urinlache verreckt (und damit das Ende bekommt, das er verdient). In den darauf folgenden Diadochenkämpfen erhält man mitunter kammerspielartig Kenntnis dieses Archipel Gulags.

Farce statt Tragödie

Eine Säuberungswelle nimmt blutig ihren Lauf, es gibt groteske Verrenkungen, die der Überlebensinstinkt mit Menschen anrichtet, was zwischen böser Satire (der brutale Geheimdienstchef) und Komik (Stalins derangierter Sohn) pendelt. Aber nach furiosem Auftakt fehlt die tragende Idee: Balgereien statt Shakespeare, Farce statt Tragödie, Pausenhof-Handgemenge statt historische Reichweite, Details statt Gesamtzusammenhang.

„The Death of Stalin“ macht sich damit unnötig klein.

imdb ofdb

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.