Kinostart: 03.04.2014, DVD/BD-Start: 28.08.2014
Die archaische Sintflut-Reimagination von Hollywoods visionärem Auteur Darren Aronofsky („Black Swan“), der die Paradiessuche und Wiedergeburtssehnsucht aus „The Fountain“ fortschreibt, fällt ambivalent aus und gliedert sich in zwei Hälften: eine interessante, visuell faszinierende mythische Fantasy um Magie und Monster, sowie ein ärgerliches, hochdramatisches Moralkammerspiel in der treibenden Arche.
Fundamentalisten verboten in einigen arabischen Staaten den nie den Gottesglauben, sondern nur die obsessive Verblendung von Zeloten (vgl. „Pi“) in Frage stellenden Weltentwurf. Der weicht angenehm von üblichen Fantasyfiktionen ab und präsentiert einen prähistorischen, aber bereits postapokalyptischen Urkontinent, den der Stamm Kains in Umweltkatastrophen zu einer reizvollen „Oblivion“-Mondlandschaft verheert hat.
Darin erscheint Noah, Nachfahre Seths, als Beschützer seiner Familie, Naturmensch, Reptilienflüsterer und vor allem ultimativer Umweltaktivist, der auf Gottes Order (sprich: hyperrealistische Traumvisionen und kuriose Wunder) die Marodeure bekämpft und sich in Karg-Panoramen mit Tundrabewuchs dem Volk der Steingiganten anvertraut. Diese Kreaturen des zweiten Tages krönen eine fantasievolle Parade von CGI-Effekten.
Wenn artesische Quellen das Mordorgebiet in ein Auenland verwandeln, dann nur, damit genug Baumstämme für die Holzarche bereit stehen, die von den Steinbeißern (schwarz?) erbaut und dann in Frontex-Manier gegen die Horden des Barbarenheers verteidigt werden. Ray Winstone verkörpert als eiskalter Mörderkönig und Blutsäufer alles Schlechte und steht überdeutlich dafür, was die bornierte Menschheit unserem Planeten heute antut.
Diese Symbollastigkeit gewinnt im zweiten Abschnitt noch an Gewicht. Fielen bis dahin die Charaktere knapp aus, steht jetzt ein tränenseliges Heul-Drama um (Un)Schuld, (Un)Gerechtigkeit, blinden Zorn, Kindes- und daraus resultierend Vatermord auf dem sich zäh dahinschleppenden Programm. Der Kampf zwischen Gut und Böse findet partiell in Noah selbst statt, was bedeutungsschwanger und langwierig seine Konflikte ausbrütet.
Die überirdisch-elfengleichen Jennifer Connelly („Requiem for a Dream“) und „Hermine“ Emma Watson setzen weibliche Vernunft und Liebe gegen das männliche Prinzip von Gnadenlosigkeit und Zerstörung. Aber nicht jede Figur überzeugt (Anthony Hopkins als Höhlenmethusalem, der nur ein paar Beeren sucht) und die Idee, die Menschheit aussterben zu lassen ist smarter als Kreationismus-Animationen und das bibelselige Ende.
Ein Gedanke zu „Noah“