Big Eyes

Christoph Waltz stiehlt Amy Adams die künstlerische Identität in Tim Burtons märchenhaftem Biopic der Margaret Keane

Big Eyes Cover

Tim Burton, USA 2014
Kinostart: 23.04.2015
Story: Anfang der 50er Jahre flieht Margaret samt kleiner Tochter vor ihrem Mann nach San Francisco, wo sie dem Charme des Straßenmalers Walter Keane erliegt. Der erkennt ihr Kunsttalent und verkauft Margarets Bilder unverfroren unter eigenem Namen, womit eine auf Ausbeutung beruhende Karriere beginnt.
Von Max Renn

Mitgefühl für verkannte Sonderlinge und ihre Tragik waren immer Burtons Stärke, der in „Big Eyes“ mit aller Sympathie eine scheue Künstlerin und ihr spätes Erwachen im fortgesetzten Kunstdiebstahl porträtiert. Seine Version des Keane-Skandals aus den 60er Jahren ist wieder ein verkapptes Märchen, in dem die Fantasie nicht entfesselt wie im emotionalen Meisterstück „Big Fish“ auftritt, sondern sich überwiegend im Ton versteckt.

Die überdimensionierten, traurigen Totenaugen der Kinder in Margaret Keanes Bildern sind das einzige Goth-Element in einem sehr konventionell gestrickten Biopic, das Burton light bietet, damit aber seiner engen Themen- und Darstellerwahl einige Abwechslung entgegensetzt. Das Drehbuch-Duo Scott Alexander/Larry Karaszewski („Ed Wood“) folgt hierin weiterhin ihrem Faible für populäre Kunst im sonnigen Kalifornien.

Emanzipation und Künstler-Coming-Out

So vielseitig wie ihr Andy-Kaufman-Porträt „Der Mondmann“ ist „Big Eyes“ nicht, weiß aber als Farbbad visuell zu gefallen. Die 50er und 60er Jahre im weichen Licht der Westküste wären bei Kostümen, Dekor und Look ein Kitschtraum, wenn Burton ihn nicht aus der Perspektive einer großen Naiven betrachten würde, von Amy Adams als platinblondes, sich selbst einer Lüge unterwerfendes Monroe-Aschenputtel verkörpert.

Eine Frau unter Einfluss: Der mehrfach oscarnominierten Adams gelingt es, dass man die sonst in ihrer Widerstandslosigkeit und leicht zu kontrollierenden Blauäugigkeit schwer zu schluckenden Frauenfigur bis zu ihrer Emanzipation und dem Coming Out als Urheberin des Keane-Phänomens nicht ablehnt. Burton lässt sie nie im Schatten eines ideal besetzten Christoph Waltz stehen, der genussvoll als Hochstapler rotiert.

Kunst-Diskurs über Schund und Geschäft

Als Betrüger, Hedonist und Erpresser mit tyrannischen Zügen hält dieser Walter seine Margaret unter Kuratel, dass es beinahe ein Psychodrama wird. „Big Eyes“ leidet zwar an Eindimensionalität, verliert aber nie seine satirisch-humorvollen Ansichten. Nebenbei unterhält ein Kunst-Diskurs über Schund und Geschäft mit Jason Schwartzman als Galeristen-Snob, Danny Huston als Erzähler und Terence Stamp als vernichtender Kritiker.

imdb ofdb

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