ohne deutschen Start
War Photographer: Nach seinem aufwühlenden Schulddrama „Troubled Water“ kehrt der Norweger Erik Poppe mit einem internationalen, englischsprachigen Charakterporträt an die Emotions-Front zurück. So konventionell das Familiendrama ikonografisch ausfällt, so sehr gewinnen die diskrete Ästhetik und das berührende Spiel von Juliette Binoche an Wucht. Der Spezialpreis der Jury in Montréal 2013 ist mehr als verdient.
Ein intensiver Auftakt bringt das Dilemma der Fotojournalistin auf den Punkt, erzählt von der Unmöglichkeit, nicht den Auslöser der Kamera zu drücken. Sie gefährdet damit Menschenleben – und auch ihr eigenes. Rebecca ist entsetzt und fasziniert zugleich, eine Seelenverwandte der Adrenalinjunkies aus „The Hurt Locker“. „Ich hoffe, das Foto war es wert“, klagt ihr Mann, der den Druck nicht mehr verkraftet – ihre Ehe zerbricht.
Binoches facettenreicher Charakter ist nach der Explosion an Gesicht, Leib und Seele vernarbt. Sie ruiniert ihre Privatbeziehungen, weil sie sich nicht entscheiden kann, bleibt neben der Spur, in poetisch-stimmigen Aufnahmen an der irischen See kaum familienkompatibel, hat einen Draht zu ihren Liebsten und wieder nicht. Poppe fängt das Zwischenmenschliche im Wechsel von Zuneigung und Unverständnis schmerzhaft gut ein.
Man bekommt ein genaues Gefühl für die persönlichen Opfer, die ein derart gefährlicher Beruf erfordert, wenn die eigenen Kinder in Furcht leben, dass die Mutter stirbt. Diese andauernde Angst ist eine Belastung – eine andere, dass die Teentochter (Debütantin Lauryn Canny so gut wie Binoche) beginnt, sich für die Wirklichkeit zu interessieren und mit ihrer Mutter zu einem vermeintlich sicheren Hilfsprojekt nach Kenia reist.
Ein in dynamisch-aufgekratzten Stil gefilmter Rebellenangriff verstört sie nachhaltig – und dass Rebecca wie ein Magnet davon angezogen wird. Daraus speist sich anteilig ein Mutter-Tochter-Drama, das im Wechsel mit den ruhigen Friedensbildern der Heimat eindringlich die aufgewühlten Emotionen zum Ausdruck bringt. Beide haben ein Gewissen für die Welt entwickelt und können nicht mehr die Augen vor dem Leid verschließen.
Gerade, weil Rebecca so emphatisch mit Moral argumentiert, von Wut und Frust über das Desinteresse am Sterben in Konfliktzonen geleitet ist, sind ihre Verantwortungslosigkeit und Lebenslügen den Angehörigen gegenüber Fragen, die sich weder klar beantworten noch ausblenden lassen. Ihr Engagement führt sie wieder zu einem Bombenmädchen im Alter ihrer Tochter – diesmal zwingt das Grauen der Welt sie in die Knie.
Ja, ich wäre schon neugierig auf den Film.
Einerseits: Trailer haben nur eine begrenzte Aussagekraft. Andererseits: Was ich für gelungen halte, empfinden andere schon mal als kitschig. Wobei ich glaube: nicht in diesem Fall!
Das klingt sehr spannend – und schmerzhaft. Auch wenn der Trailer etwas mehr Kitsch anklingen lässt, als ich bei der Beschreibung erwartet hätte.